Goldberg & seine Geschichte

GOLDBERG

Nicht von ungefähr kommen unsere besten Weine aus der Riede Goldberg, schließlich hat sie eine ruhmreiche Vergangenheit als große Weinlage.

Dr. Adalbert Putz, mein ehemaliger Lehrer und „g’studierten Volkskundler“, der sich auch für die Erhaltung der heimischen Mundart engagiert, hat mich dabei unterstützt. Mittlerweile haben wir im Weingut knapp acht Hektar Blaufränkischreben am Goldberg, drei davon sind seit 1947 im Ertrag. Um 1920 stand auf dem Hügel unseres alten Weingartens die „Villa Goldberg“, umgeben mit einem schmiedeeisernen Zaun.

 Der Goldberg und die Familie Heinrich

Die Urgroßeltern meines Vaters Johann HEINRICH – Theresia und Johann – besaßen schon im 19. Jahrhundert einen großen Weingarten in der Riede Goldberg. Dieser wurde weitervererbt und war für einige Jahrzehnte nicht mehr im Besitz der Familie HEINRICH. Meine Großeltern – Rosa und Josef – hatten in ihrem  Hochzeitsjahr 1947 ihren Verwandten geholfen, den Goldberg auszupflanzen. Der Goldberg galt immer schon als beste Lage von Deutschkreutz und man war bestrebt, dort Weingärten zu kaufen und auszupflanzen. Gerti und Johann HEINRICH haben im Frühling 1980 diesen Weingarten mit drei Hektar Blaufränkischreben von der verwandten Familie (zurück-)gekauft und wollten diesen alten Weingarten noch im gleichen Jahr nach der Ernte roden, da der Behang sehr gering schien. Doch dann kam alles anders. „Die geernteten Weintrauben waren unglaublich reif und brachten eine noch nie dagewesene Qualität“, so Johann HEINRICH. Der Weingarten wurde daraufhin gepflegt und ist heute das Herzstück unseres Hauses. Die besten Blaufränkischtrauben kommen von diesem Weingarten.

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Der Goldberg und seine Geschichte

Die Anfänge des Deutschkreutzer Weinbaus reichen zweifellos viel weiter zurück, als es schriftliche Quellen gibt. Die älteste Urkunde über Weinbau in Deutschkreutz stammt aus dem Jahre 1356. Am 6. Juni dieses Jahres verpfändete der Sohn des Grafen Nikolaus von Mattersdorf, der schwer verschuldete Nikolaus der Deutsche, sein Gut in Chreucz seiner Gattin Anna. Hier ist von Weinkulturen die Rede, während in einem anderen Schriftstück aus dem Jahre 1422 der Deutschkreutzer Wein nicht nur erwähnt, sondern auch qualifiziert wird. Damals befahl König Sigismund den Ödenburgern, die von seinem Schatzmeister Stefan Kanizsay versprochenen Fässer „guten Weines“, das eine von Martony (Mattersdorf), das andere von Kereztur (Deutschkreutz), unverzüglich in das königliche Lager liefern zu lassen.

Mit seinen ca. 290 ha zählte das Deutschkreutzer Weingebirge im 18. Jhdt. zu den größten des Komitates Ödenburg. Man wusste sehr früh um seine für den Weinbau besonders günstige Lage, wobei vor allem die Südwest-Hänge, wie Goldberg und Hochberg, eine besondere Reife hervorbringen. Die erhabene Lage der Weinkulturen schützte die Weinstöcke außerdem weitgehend vor dem Erfrieren, was jahrelange Ernteausfälle verhinderte.

In kriegerischen Auseinandersetzungen dürfte Deutschkreutz wegen der Weinabgaben gerne besetzt worden sein. So nahm der Herr von Baumgarten, Weytraher Martin, 1440 unsere Gemeinde in Beschlag. Am 13. Oktober 1442 schreibt er an den Rat von Ödenburg: „… Ich las euch wissen, das sich die vom Kreucz mir haben zugesagt und gehuldigt und an derselben huldigung wellent sie mir wein geben …“ Weltliche und geistliche Grundherrschaften aus Ungarn, Niederösterreich, Oberösterreich oder aus der Steiermark, wie die Chorherrenstifte Reichersberg in Oberösterreich und Neuberg im Mürztal oder die Zisterzienser und Pauliner von Wiener Neustadt, besaßen hier Weingärten. Der Deutschkreutzer Wein zeichnete sich durch besondere Haltbarkeit und Transportfähigkeit aus.

In Schriftstücken wird immer wieder der Goldberg genannt,  der Name „Goldberg“ hat mit der besonders günstigen Lage und der hohen Qualität des Lesegutes in dieser Riede zu tun. Dieser sanfte Rücken – ein Westhang – ist kaum frostgefährdet und die Trauben gedeihen hier zu hoher Reife. „Im Goldberg haben die Weintrauben um zwei Mostgrade mehr als sonst wo“, heißt es bei den Deutschkreutzer Weinbauern schon seit Generationen. Der Goldberg brachte seinen Besitzern immer schon einen außergewöhnlichen Ertrag: Diese Weingärten waren eben Gold wert.

Das wusste auch die Grundherrschaft zu schätzen, denn 1802 scheinen die Esterházy den ganzen Goldberg in ihrer Hand gehabt zu haben. In einer Aufstellung der herrschaftlichen Güter in Deutschkreutz  finden sich an die zehn Goldberg-Weingärten, die durch Beinamen unterschieden werden. Einige weisen auf jene Untertanen hin, die diese Weingärten in Robot zu bearbeiten hatten, und es wird auch der Zustand der Kultur erwähnt. Beim Letzten in der Liste, „Klausischer Goldberg“ genannt, heißt es: „… ist zwar schlecht (Zustand), trägt jedoch guten rothen Burgunder Wein“, was eventuell als Hinweis auf den Blaufränkisch verstanden werden kann. Die Esterházy hatten damals auch schon französische Reben ausgepflanzt.

Ergänzung zum „Klausischen Goldberg“, der heute in unserem Besitz und unsere beste Lage ist: Der Vorbesitzer dieses Weingartens hieß Klaus und war Kastner und Kellermeister im Schloss Deutschkreutz. Er besaß diesen Goldberg bereits um 1740. Kellermeister Klaus dürfte von Rotwein einiges verstanden haben; möglicherweise hatte er Beziehungen zu Frankreich, da sein Trauzeuge Franzose war. Der erwähnte „Klausische Goldberg“ dürfte eine Besonderheit gewesen sein. Er wurde nämlich auch von den Esterhazy separat gelesen und nicht wie die anderen Goldberg-Anlagen zusammen. Wie schon erwähnt, hatte die Schlosskellerei wohl besondere Erfahrung in der Rotweinherstellung, denn 1804 wird der Forchtensteiner Kellermeister nach Deutschkreutz geschickt, um die Erzeugung von gutem Rotwein (Maischegärung etc.) zu erlernen.

Die Esterhazy wussten tatsächlich den Kreutzer Wein zu schätzen, denn bei besonderen Anlässen ließen sie oft gerade diese Weine kredenzen, die auch im Fürstlichen Hauptkeller in Donnerskirchen („Leisserhof“) lagerten. Dieser Keller war 1738 von Fürst Paul Anton, nach dem Beispiel der hochentwickelten französischen („welschen“) Weinkultur, eingerichtet worden, wo sich ein „Hauptkellermeister“ um die Pflege der besten fürstlichen Eigenbauweine und auch der Kaufweine internationaler Provenienz kümmerte.

1803 ordnete Fürst Nikolaus II. an, den Rotweinbau in Deutschkreutz zu forcieren. Das trug offensichtlich auch Früchte, denn 1804 wird der Forchtensteiner Kellermeister, ein Nachfolger von Franz Joseph Lebon, nach Deutschkreutz geschickt, um die Erzeugung von gutem Rotwein zu erlernen.

Für Deutschkreutz war also der Weinbau schon immer von großer Bedeutung. Die Größe der bearbeiteten Weingartenflächen variierte allerdings von Zeit zu Zeit, zum Beispiel am Ende des 19. Jhdts, als die Reblaus auch hier ungeheuren Schaden anrichtete.

Der Deutschkreutzer Wein zeichnete sich in der Vergangenheit durch besondere Haltbarkeit und Transportfähigkeit aus, was auf die lange Vegetationszeit und die späte Lese zurückzuführen war. „Bei Exportversuchen, die per Schiff über Triest nach Holland und England durchgeführt wurden, bewies der Kreutzer im 18. Jhdt. Die größte Stabilität von allen westungarischen Weinen“, weiß der Historiker Dr. Harald Prickler zu berichten. Seit dem Mittelalter gab es von hier Weinexporte nach Österreich, in die Steiermark, aber auch nach Böhmen, Mähren, Schlesien und Polen. Der Vertrieb des hiesigen Weines wurde später von den hier seit dem 18. Jhdt. Ansässigen jüdischen Weinhändlern besonders forciert.